Unsere Kirchengemeinde stellt sich vor

Die “Deutsche Evangelische Predigtgemeinde zu Caracas”, die heutige  St. Michaelsgemeinde, wurde am 4. Januar 1883 gegründet . Die Gemeinde besitzt heute noch die Altarbibel, die sie von der Kaiserin Auguste Victoria gestiftet bekam und in die diese  das Losungswort hineinschrieb:  “Wir wollen dem Herrn dienen, denn er ist unser Gott.” (Josua 34,18)  Diesem Losungswort ist die Gemeinde über die mehr als 120 Jahre treu geblieben. Denn mit  Ausnahme des 1.  Weltkrieges , der Zeit des Nationalsozialismus, dem 2. Weltkrieg und den ersten Jahren danach bis 1952  hat die Gemeinde immer einen aus  Deutschland entsendeten Pastor haben können.  In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg wuchs die Gemeinde schnell an Zahl.                    

Mit Hilfe des lutherischen Weltbundes konnte 1952 die “Lutherische Gesamtgemeinde” gegründet und schon 1957 eine eigene Kirche gebaut werden. Bis 1982 war die Gemeinde stetig im Wachstum begriffen, so dass es sogar notwendig wurde, einen 2. Pastor für die Gemeinde anzustellen.

 

Bestand die Gemeinde im 19. Jahrhundert hauptsächlich aus Deutschen, die im Import und Export Handel tätig waren, waren die deutschen Lutheraner aus Deutschland und deutschsprechenden Lutheraner aus den baltischen Ländern, die nach dem 2. Weltkrieg nach Venezuela kamen, mit allen Berufsgruppen vertreten. Venezuela gehörte in den 50iger Jahren zu den attraktivsten Einwandererländern weltweit. Im Zuge des Erdölbooms der 70iger Jahre kam durch die sich in Venezuela ansiedelnden deutschen Konzerne wiederum eine größere Anzahl Deutsche, allerdings zeitbedingt und zeitbefristet nach Venezuela, so dass die Gemeinde in  dieser Zeit mit über 2.000 Mitgliedern die höchste Mitgliederanzahl ihrer bisherigen Geschichte erreichen konnte.

 

1986 wurde die Evangelisch Lutherische Kirche in Venezuela gegründet, deren größte Gemeinde , die St. Michaelsgemeinde bis heute ist.  Allerdings hat die St. Michaelsgemeinde bis zum heutigen Tag immer darauf Wert gelegt, eine an die EKD (Evangelischen Kirche Deutschlands) angegliederte Auslandsgemeinde zu sein.

1993 konnte das 100järige Jubiläum mit Freude und Dank gefeiert werden.  Aber  in dieser Zeit begann die Anzahl der Gemeindeglieder auch abzunehmen, da vor allem die Kinder der Einwanderergeneration nach dem 2. Weltkrieg meisten nach der Ausbildung nicht mehr  nach Venezuela zurückkehrten. Mit der Präsidentschaft von Hugo Chavez nahm diese Entwicklung  nicht nur zu , sondern mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen und vor allem der sozialen und persönlichen Unsicherheit setzte auch die Rückkehrbewegung der ehemaligen deutschen Einwanderer in die deutsche Heimat ein.  Diese Entwicklung hat auch sehr die deutsche St. Michaelsgemeinde in Mitleidenschafft gezogen.

 

Es ist um so bemerkenswerter und erfreulich wie die St. Michaelsgemeinde mit ihrem Pastor, Lars Pferdehirt, ihr starkes Engagement innerhalb und außerhalb der Gemeinde aufrecht erhält. Dazu zählen nicht nur die regelmäßigen Gottesdienste und  Gemeindeaktivitäten,  die seelsorgerliche Betreuung der lutherischen Gemeindeglieder, sondern auch das Abhalten des über 63 Jahre anhaltenden Weihnachtsmarktes, die Osterbasare, die Mitarbeit im deutschen Altersheim, in der Ökumene, in der Humboldtschule , im deutsch-venezolanischen Hilfsverein,  in der Zusammenarbeit mit den deutschen Institutionen im Land und in  der Evangelischen Lutherischen Kirche in Venezuela. 

Die St Michaelsgemeinde schaut nun auf das Luther-Jubiläum 2017, das mit allen lutherischen Gemeinden und den deutschen Institutionen im Land vorbereitet wird.

 

24-6-2015,

 

Arno Erdmann

Festschrift zur 100-Jahr-Feier